BFSG · Branche
Barrierefreiheit für Handwerksbetriebe
Angebotsanfrage, Referenz-Galerie, Klick-to-Call — wo Handwerker-Websites am häufigsten Barrieren haben und wie Sie es kostenlos prüfen.
Zuletzt aktualisiert: · Von Paweł Dziura
Auch kleine Handwerks-Websites mit Kontakt- oder Angebotsformular sollten prüfen, wo sie stehen. Barrierefreiheit ist außerdem schlicht mehr erreichbare Kundschaft.
Typische Barrieren bei Handwerksbetriebe
Das sind die Stellen, an denen wir bei Handwerksbetriebe zuerst nachsehen:
- Angebots- und Kontaktformulare ohne verknüpfte Beschriftungen
- Referenz- und Projektgalerien mit Bildern ohne Alt-Texte
- Klick-to-Call- und Kontakt-Buttons mit zu geringem Kontrast
- Auf dem Smartphone schwer bedienbare Menüs und Schaltflächen
Wo diese Fehler bei Handwerksbetriebe auftreten
Handwerker-Websites sind meist klein, was hilft — die Fehler konzentrieren sich auf die Angebotsanfrage und die Referenz-Galerie: Bilder ohne Alt-Text, Klick-to-Call-Buttons, die nur ein Telefon-Icon enthalten, und weiße Schrift auf Fotos der letzten Baustelle, die je nach Bildstelle den Kontrast reißt.
Wie häufig diese Fehler insgesamt sind, hat die WebAIM Million 2026 an einer Million Startseiten gemessen: Sechs Fehlerarten machen 96 % aller Verstöße aus, und alle sechs sind maschinell erkennbar. Die vollständige Tabelle steht im Ratgeber „Wie Sie Ihre Website auf Barrierefreiheit testen“.
Gilt das BFSG für Handwerksbetriebe?
Reine Visitenkarten-Seiten sehr kleiner Betriebe können teils ausgenommen sein; sobald Online-Terminierung, Shop-Funktionen oder Buchungen dazukommen, wird das BFSG relevant. Der Scan klärt den technischen Stand.
Wer genau betroffen ist und welche Ausnahmen gelten, erklärt unser Ratgeber „Gilt das BFSG für meine Website?“.
Die meisten Handwerksbetriebe sind nicht verpflichtet
Das sagen wir deutlich, obwohl wir ein Prüfwerkzeug verkaufen: Ein Betrieb mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme fällt bei Dienstleistungen unter die Kleinstunternehmen-Ausnahme. Das trifft auf einen großen Teil des deutschen Handwerks zu.
Dazu kommt: Eine reine Visitenkarten-Seite — Leistungen, Referenzen, Kontakt — erbringt ohnehin keine Dienstleistung im Sinne des Gesetzes. Erst wenn Ihre Seite etwas abwickelt, verschiebt sich das:
- Online-Terminvergabe für Beratung, Aufmaß oder Wartung
- ein Shop-Bereich für Ersatzteile oder Materialien
- Kundenportale mit Auftragsstatus oder Rechnungsabruf
- Wartungsverträge, die online abgeschlossen werden
Ob Sie erfasst sind, klärt der Ratgeber „Gilt das BFSG für meine Website?“ in drei Fragen.
Warum es sich trotzdem rechnet
Handwerksleistungen werden überdurchschnittlich oft von älteren Menschen und in Ausnahmesituationen beauftragt — Heizung aus, Rohr undicht, Schloss defekt. Diese Anrufe kommen von unterwegs, auf dem Smartphone, oft in Eile und schlechtem Licht.
Was in dieser Situation entscheidet, ist nicht Gestaltung, sondern Lesbarkeit: Steht die Telefonnummer groß genug da? Ist sie anklickbar? Hebt sie sich ab? Ein Kontrastproblem beim Notdienst-Button kostet Sie einen Auftrag, nicht ein Bußgeld — und den Auftrag bekommt der Betrieb, dessen Nummer man auf Anhieb erkennt.
Die typischen Fundstellen
Kontaktaufnahme
Der häufigste Fehler ist die Telefonnummer als Grafik oder als Icon-Link ohne Text. Für einen Screenreader ist „Link“ ohne Namen ein Sackgassen-Element; für alle anderen ist eine Bildnummer nicht antippbar. Zweithäufigster Fehler: Kontrast des Notdienst-Buttons — kräftiges Orange oder Gelb auf Weiß sieht dringlich aus und liegt regelmäßig unter 4,5:1.
Referenzgalerien
Projektfotos sind Ihr stärkstes Verkaufsargument und kommen fast nie mit Alt-Text. Wichtig
ist die Unterscheidung: Ein Bild, das eine Aussage trägt („Bad in Eiche, barrierefreie
Dusche“), braucht eine Beschreibung. Ein reines Stimmungsbild trägt besser ein leeres
alt, damit Screenreader es überspringen, statt Dateinamen vorzulesen.
Anfrageformulare
Angebots- und Rückrufformulare sind meist kurz — und genau deshalb wird das Label oft durch einen Platzhalter ersetzt, „weil es aufgeräumter aussieht“. Sobald jemand tippt, ist die Beschriftung weg; viele Screenreader werten sie ohnehin nicht als Label. Bei Formularen mit Datei-Upload für Fotos des Schadens kommt hinzu, dass der Upload-Button häufig nur ein Symbol ist.
Mobile Bedienbarkeit
Auf Handwerker-Seiten fällt überdurchschnittlich oft auf: Menüs, die sich nur mit sehr genauem Antippen öffnen, Schaltflächen unter der empfohlenen Mindestgröße, und Text, der beim Vergrößern aus dem Layout läuft. Das ist keine Formalie — es ist die Situation, in der Ihre Kundschaft tatsächlich ankommt.
Checkliste für Handwerksbetriebe
- Telefonnummer als Text und als
tel:-Link, nicht als Grafik (automatisch prüfbar) - Notdienst- und Kontakt-Buttons im Kontrast geprüft (automatisch prüfbar)
- Adresse und Einsatzgebiet als Text
- Anfrageformular: alle Felder mit Label, auch das Upload-Feld (automatisch prüfbar)
- Datenschutz-Checkbox mit klickbarem Label (automatisch prüfbar)
- Referenzbilder mit Alt-Text, Stimmungsbilder mit leerem
alt(automatisch prüfbar) - Menü auf dem Smartphone sicher bedienbar, Schaltflächen groß genug
- Schrift auf 200 % vergrößerbar, ohne dass Inhalte verschwinden
- Seitentitel und Sprachauszeichnung gesetzt (automatisch prüfbar)
- Überschriftenstruktur ohne übersprungene Ebenen (automatisch prüfbar)
Realistische Einordnung
Die zuständige Stelle der Länder priorisiert ihre anlassunabhängigen Prüfungen nach Reichweite und Bedeutung für die selbstständige Lebensführung; ein regionaler Handwerksbetrieb steht dort nicht vorn. Vorrang haben Beschwerden nach § 32 BFSG. Wie das im Einzelnen aussieht, steht im Ratgeber „So prüft die Marktüberwachung nach dem BFSG“.
Unsere Empfehlung ist deshalb unaufgeregt: Prüfen Sie die Seite einmal kostenlos, beheben Sie Kontrast und Telefonnummer — das sind zwanzig Minuten — und legen Sie den Rest zu den Akten, bis Sie tatsächlich Online-Dienste anbieten.
So prüfen Sie Ihre Website — kostenlos
Der kostenlose Einzelseiten-Check zeigt in Sekunden die ersten Barrieren — ohne Anmeldung. Automatisierte Tests finden dabei ehrlich nur rund 30–57 % der WCAG-Probleme; den Rest markieren wir zur manuellen Prüfung, statt „100 % konform“ zu versprechen.
Für die ganze Website gibt es den vollständigen automatischen Report ab €14 — günstiger als die üblichen deutschen Tools.
Quellen
- The WebAIM Million (2026) — Barrierefreiheit von 1 000 000 Startseiten — WebAIM, Utah State University
- Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) — Gesetzestext — Bundesamt für Justiz
- Automated testing identifies 57 % of digital accessibility issues (2021) — Deque Systems
- Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 — W3C